6. Erzieherische Funktion : 6.1 WEIDMÄNNISCHER ABSCHNITT

PRAKTIKUM FÜR JUNGE JÄGER:
Jährlich werden rund zwanzig Preisträger unter den Besten bei den Jagdprüfungen in der Wallonie und Flandern von der jeweils zuständigen Verwaltung zu einem weidmännischen Praktikum in den beiden betreffenden Waldhoheitsgebieten eingeladen. Sie werden vor allem zur Beteiligung an der Erfüllung des Hirschabschussplanes beider Königlichen Jagdreviere veranlasst. Zu diesem Zweck werden sie von den örtlichen Verwaltern beider Territorien, mit anderen Worten den Forstbeamten der Gehege von Nassogne und Saint-Hubert (St. Michel Freyr) sowie von Verviers (Hertogenwald) begleitet und betreut.
Was erwartet die Preisträger der Jagdprüfungen, die zum Jagen in den Kronjagdgebieten eingeladen werden? Das Programm ihres Praktikums umfasst sieben Punkte:
• Teilnahme an einer Informationssitzung über die Verwaltung der Kronjagdgebiete, bei der die verschiedenen Aspekte der Verwaltung dieser Territorien auf forstwirtschaftlicher Ebene (Fortwirtschaft) und auf der Ebene der eigentlichen Wildbewirtschaftung vorgestellt werden:
- Ablauf und Organisation der Jagdsaison
– Empfehlungen und Hinweise zur Ausrüstung und Sicherheit;
- Abschussregeln und -richtlinien;
- Disziplin und Ethik der Jagd;
- Nachsuchen mit dem Schweisshund und Ausweiden des erlegten Tieres;
- Wildzählungen;
- Sammeln und Vergleichen von Abwurfstangen;
- Wildphotographie;
- Bilanz der Jagdsaison;
- Laufende Themen der wissenschaftlichen Forschung;
- Beziehungen zur Wildbewirtschaftungseinheit des Waldgebietes von Saint-Hubert (UGC-SH) und integriertes Verwaltungsprogramm für das gleichnamige Gebiet (PGI-SH) (St-Michel – Freÿr) oder zum Jagdrat Hohes Venn – Eifel (Hertogenwald), zu Vereinigungen, die mit der Koordination der Verwaltung der benachbarten Jagdgebiete oder der Integration einzelner Funktionen des Waldes befasst sind.
• Praktische Schießübungen auf dem Armeegelände von Marche-en-Famenne zum Erlernen der richtigen Handhabung und Anwendung des Materials sowie für die Durchführung diverser Schießprüfungen und gegebenenfalls letzte technische Einstellungen vor dem Jagdbeginn;
• Teilnahme an einer Feldbeobachtung während der Brunft zum Kennenlernen des Gebietes und für den direkten Kontakt mit den Forstbeamten, die für die Betreuung bei den Ausflügen oder an den Jagdtagen sorgen.

• Programm mit einem Dutzend Pirschjagd- bzw. Ansitzjagdsitzungen. Alle Ausflüge erfolgen unter Begleitung: jeder Jungjäger wird von einem Forstbeamten den Tieren, die er (nicht) abschießen darf, zugeführt. Diese abendlichen und/oder morgendlichen Ausflüge sind für jeden Teilnehmer ab dem 1. Oktober eingeplant. Das Ausprüfen von verletzten Tieren und das Ausweiden der erlegten Tiere sind Teil der Jagd. Nach jeder Jagdsitzung wird ein Bericht in Form eines Formulars, das sowohl der Jäger als auch sein Begleiter auszufüllen haben, aufgestellt. Alle markanten Fakten und die Beobachtungen, die während des Ausfluges gemacht wurden, werden aufgezeichnet und von der Abteilung für Natur und Forste sowie vom Labor für Wild und Jagd ausgewertet.
• Eventuelle Beteiligung an Pirsch- und Hochsitztagen. Diese kollektiven Jagdtage sind für die angehenden Jäger ebenfalls eine Gelegenheit, sich mit den Anforderungen der Jagdethik vertraut zu machen:
- Gewährleistung maximaler Sicherheit für die Teilnehmer;
- Organisation der Suche nach verletztem Wild bei gleichzeitiger weitestgehender Senkung des Verletzungsrisikos;
- Streben nach Disziplin und aktiver Effizienz, indem die Teilnehmer dazu aufgefordert werden, mit einem entsprechenden Formular sämtliche Beobachtungen, die sie im Laufe des Jagdtages gemacht haben, zu Papier zu bringen.
• Zugang zur Bilanz der Jagdsaison, die auf der Ebene des Jagdrates des betreffenden Gebiets (Wildbewirtschaftungseinheit des Waldgebietes von Saint-Hubert mit Zuständigkeit für das Gebiet von Saint-Michel Freyr, Jagdrat Hohes Venn-Eifel mit Zuständigkeit für den Hertogenwald) gezogen wird.
• Beteiligung an den Sitzungen von Wildzählungen durch Ansitzen und Abpirschen, die in den beiden Territorien im Frühling organisiert werden.
Das den angehenden Jägern gebotene Programm möchte verhältnismäßig komplett, abwechslungsreich und offen sein. Es soll beweisen, dass die Wildbewirtschaftung sich nicht auf Jagdabschuss beschränkt. |